Maschinen- und Anlagenbau

Digitalisierung der Branche gestalten

(28.02.2019) Fortschreitende Digitalisierung wird den deutschen Maschinen- und Anlagenbau stark verndern sowohl als Anwender wie auch als Anbieter digitaler Produkte.

(Foto: Digital Vision)

Die Herausforderungen fr die deutsche Schlsselbranche Maschinen- und Anlagenbau sind enorm: Der demographische Wandel beispielsweise wirkt sich auf die Betriebe der Branche aus, das Potential an Auszubildenden sinkt, der Altersdurchschnitt der Belegschaften steigt, viele Fachkrfte werden in den kommenden Jahren in Rente gehen. Dazu belasten die gegenwrtigen Unsicherheiten des Welthandels den Maschinen- und Anlagenbau: Der europische Binnenmarkt wird vor allem durch den Brexit geschwcht, die US-Regierung unter der Prsidentschaft von Donald Trump verfolgt protektionistische Strategien, Schwellenlnder wie China haben aufgeholt und sind zu ernsthaften Konkurrenten auch bei technologieintensiven Produkten geworden. Schlielich wird der Klimawandel zunehmen zur Herausforderung fr die Maschinenbaubranche, die mit ber einer Millionen Beschftigten die beschftigungsstrkste Branche der Industrie ist, das Rckgrat der deutschen Industrie und weltweiter Lieferant technologischer Industrielsungen.

Der Maschinen- und Anlagenbau in vielen Bereichen heute Weltmarktfhrer und dank hoher Exportquote zum Aushngeschild der deutschen Wirtschaft gewachsen ist gegenwrtig also Treiber und Getriebener zugleich: Er treibt Innovationen voran und steht unter starkem internationalen Wettbewerbsdruck, vor allem aus China und den USA.

Kann die Branche das Wettrennen gewinnen?


Und genau in diese komplexe Gesamtsituation, genau auf diese komplizierte Gemengelage trifft nun die Digitalisierung als neue, groe Herausforderung. Mit ihr einher geht die Frage: Kann der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland das Wettrennen um Innovation auch in einer zunehmend digitalisierten, vernetzten Produkt- und Arbeitswelt gewinnen? Und welche Herausforderungen ergeben sich daraus fr die Beschftigten?

Fakt ist: Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen im Rahmen der digitalen Vernetzung eine immer grere Rolle fr den Maschinen- und Anlagenbau und das sowohl als Anwender als auch als Anbieter digitaler Produkte. Digitale Geschftsmodelle und neue Wettbewerber aus dem Bereich digitaler Plattformen stellen zunehmend Herausforderungen fr die Betriebe der Branche dar. Immer mehr Produkte, Anwendungen und Prozesse werden inzwischen durch elektronische Komponenten untersttzt. Sie werden dadurch komplexer, die Vernetzung nimmt zu.

Digitalisierung wird Arbeit stark verndern


Fakt ist auch: Fortschreitende Digitalisierung und umfassende Vernetzung werden zu einem Wandel der Beschftigung in allen betrieblichen Bereichen und Funktionen fhren. Das hat Konsequenzen: "Der Maschinenbau darf den Anschluss an die digitale Transformation der Industrie nicht verpassen. Internet-Giganten und IT-Konzerne stehen bereits in den Startlchern, um sich mit ihren Plattformen zwischen die Kunden und den Maschinenbau zu drngen", betonte Wolfgang Lemb, fr den Maschinenbau zustndiges geschftsfhrendes Vorstandsmitglied der IG Metall auf der Maschinenbaukonferenz der IG Metall in Berlin. Die Branche msse auch in Zeiten der digitalen Transformation ihre Rolle als weltweiter Lieferant technologischer Industrielsungen behaupten.

Wie das gelingen kann, das hat nun eine im Auftrag der IG Metall vom IMU Institut erstellte Studie detailliert analysiert. Die Untersuchung "Digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau" gibt umfassend Auskunft ber Stand und Strategien der Digitalisierung sowie ihre Wirkungen auf die Beschftigten des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus.

Hoheit ber die Kundenbeziehungen behaupten


Deutlich wird: Die Herausforderungen, die mit fortschreitender Digitalisierung auf den Maschinen- und Anlagenbau zukommen, sind gewaltig. Sie knnen bewltigt werden allerdings sind dazu verstrkte Kraftanstrengungen und intensive Kooperation ntig. "Es geht lngst nicht mehr nur darum, die innovativsten Hardware-Lsungen bereitzustellen. In Zeiten der Plattformkonomie und vernetzter Produktion geht es fr den Maschinenbau darum, selbst die Hoheit ber die Kundenbeziehungen zu behaupten", so Wolfgang Lemb. Das Beispiel des Marktes mit Mobiltelefonen zeige, wie schnell es dazu kommen kann, dass auf einmal Internetkonzerne und nicht mehr Hardware-Produzenten die Bedingungen der Wertschpfung diktieren. "So weit darf es im Maschinen- und Anlagenbau nicht kommen. Gemeinsam mit einer starken Interessenvertretung muss der Transformationsprozess in den Betrieben gestaltet werden."

Zeit zum konsequenten Handeln ist jetzt: Gegenwrtig, das zeigen die Wissenschaftler in ihrer Studie, ist der deutsche Maschinen- und Anlagenbau noch weniger Anwender, dafr mehr Anbieter digitaler Produkte. Auf der Anwenderseite, also bei den eigenen internen Prozessen, war in den vergangenen Jahren eine eher schleichende Umsetzung zu beobachten. Viele kleine und mittlere Unternehmen stehen auch gegenwrtig erst am Anfang der digitalen Transformation. Allerdings: Bei den untersuchten greren Unternehmen, die meist zu den Vorreitern bei der digitalen Transformation zhlen, wird die Digitalisierung mittlerweile strategisch vorangetrieben.

Strategisch in der Plattformkonomie aufstellen

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass der internationale Wettstreit um die Innovationsfhrerschaft bei digitalen Lsungen und Plattformen entscheidend ist aber eben bislang noch nicht entschieden wurde. "Ziel fr Maschinenbauunternehmen muss es daher sein, die direkte Kundenschnittstelle weiterhin zu kontrollieren und nicht an branchenfremde Anbieter wie die bekannten Internet-Giganten oder IT-Konzerne zu verlieren", betont Wolfgang Lemb. Damit dies gelinge, msse der Maschinenbau sich dringend strategisch in der Plattformkonomie aufstellen.

Als Rahmen fr eine sichere Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus ist aus Sicht der IG Metall und ihrer Betriebsrte darber hinaus eine zielgerichtete und beteiligungsorientierte Industriepolitik ntig denn mit der digitalen Transformation, auch das zeigt die Studie, wird es sowohl zu strukturellen Vernderungen zwischen unterschiedlichen Beschftigtengruppen wie auch zu qualitativen Vernderungen der Arbeitsbedingungen kommen. "Unter der Prmisse Wachstum durch digitale Angebote wird die Bilanz in den nchsten Jahren neutral bis positiv sein. Mittel- bis langfristig gesehen wird es wohl im Maschinen- und Anlagenbau aufgrund der Rationalisierungseffekte eher zu einem Arbeitsplatzabbau kommen, der weniger die direkten Bereiche der Produktion als die indirekten Bereiche wie Vertrieb, Verwaltung oder Bro treffen knnte", so Wolfgang Lemb.

Starke Interessenvertretungen ntig, um Wandel zu gestalten

Fr Beschftigte in allen Qualifikationsstufen mssten deshalb Lsungen gefunden werden, um mit dem strukturellen Wandel in den Betrieben umzugehen. Dazu bedrfe es starker Interessenvertretungen und einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad in den Betrieben, die die Digitalisierung im Sinne der Beschftigten mitgestalten, vorausschauende Qualifizierung einfordern und gesunde Arbeitsbedingungen im Blick behalten.

"Ein starker Betriebsrat ist eine wesentliche Grundvoraussetzung zur Gestaltung der Digitalisierung im Sinne der Beschftigten im Betrieb", sagte der Gewerkschafter. Dafr brauche man jedoch die notwendigen Ressourcen und das entsprechende Knowhow. Das sei insbesondere in den kleinen Betriebsratsgremien der vielen mittelstndischen Maschinenbaubetriebe keine Selbstverstndlichkeit. "Daher fordert die IG Metall die Bundesregierung auf, die Handlungsmglichkeiten der Betriebsrte zu verbessern, um mit dem Arbeitgeber auf Augenhhe ber die Digitalisierung im Betrieb verhandeln zu knnen."



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