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Transformationsatlas: Zukunft ohne Plan?

(27.08.2019) Mit dem Transformationsatlas ist es der IG Metall gelungen, den digitalen Wandel sichtbar zu machen. Deutlich wird: Risiken und Unsicherheiten nehmen zu.

(Foto: phonlamai/PantherMedia)

Die Ergebnisse sind eindeutig, die Zahlen eindrcklich. Sie machen deutlich: Es ist an der Zeit zu handeln, es ist dringend geboten, jetzt aktiv zu werden, denn klar ist: Die Transformation, in der wir gegenwrtig stecken und die von Digitalisierung geprgt und angetrieben wird, von Globalisierung, Elektrifizierung, dem Klimawandel und der demographischen Entwicklung, wird zu einem grundlegenden Umbruch in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fhren. Die Arbeitswelt wird durch sie tief greifend verndert. Das aber wird weit reichende Auswirkungen auf die Beschftigten haben.

Welche Auswirkungen das sein werden, welche Umbrche auf die Beschftigten zukommen, das wollte die IG Metall mit betrieblichen Analysen sichtbar machen, die im Frhjahr in Betrieben berall in der Republik erstellt und nun zu einem Transformationsatlas gebndelt wurden. Dabei handelt es sich um eine visualisierte Darstellung der Ergebnisse. Zugleich war das Ziel, einen generellen berblick ber Ausma und Auswirkungen des digitalen Wandels zu erhalten. Das ist gelungen.

Erstellt wurde der Transformationsatlas auf der Basis von Daten aus knapp 2000 Betrieben, in denen mehr als 1,7 Millionen Menschen beschftigt sind. Mittels Fragebogen, der zumeist in einer betrieblichen Arbeitsgruppe vom Betriebsrat und Vertrauenskrper gemeinsam mit dem Betriebsbetreuer, der Betriebsbetreuerin diskutiert und ausgefllt wurde, konnten in jedem Betrieb eine detaillierte Bestandsaufnahme vorgenommen, jeweils spezifische Chancen- und Risikopotenziale in Bezug auf den Transformationsprozess ermittelt und so betriebliche Herausforderungen und Handlungsfelder identifiziert werden.

Die Ergebnisse zeigen: Digitalisierung hlt Einzug berall in den Betrieben ― allerdings schreitet sie ungleichzeitig, mit unterschiedlichem Tempo voran. In der Produktion und der Produktionsplanung finden sich die hchsten Einfhrungsgrade, in der Administration beginnt die Digitalisierung gerade erst.

Arbeit ndert sich

Am weitesten vorangeschritten ist die Digitalisierung in den Fertigungsbereichen. Die Potentiale sind aber noch nicht ausgeschpft. Auch die Vernetzung der Produktionsmittel ist bereits weit fortgeschritten. Zu etwa einem Fnftel befinden sich neue Digitalisierungstechniken in der Planungs- und Erprobungsphase. Gleichzeitig wird die Digitalisierung von Produkten in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommen 67 Prozent der befragten Betriebsrte. In den nchsten Jahren wird damit gerechnet, dass der Umsatzanteil mit digitalisierten Produkten steigt. Dies schtzen 49 Prozent der Betriebsrte so ein. Klar wird damit: Digitalisierung wird die Betriebe in den kommenden Jahren grundlegend verndern und groe Auswirkungen auf die Arbeit der Beschftigten haben.

Von der Digitalisierung wird vor allem die Arbeit in der Fertigung und Montage, in der Verwaltung und Logistik sowie in der technischen Kundenbetreuung massiv betroffen sein. Die dortigen Arbeitspltze enthalten groe Anteile an Ttigkeiten, deren Profil sich verndern wird oder die teilweise entfallen knnten. 57 Prozent der Beschftigten in den beteiligten Betrieben ben Ttigkeiten mit einem hohen Potenzial fr die Automatisierung von Teilaufgaben aus.

Einschtzungen zur Beschftigungsentwicklung weisen eine starke regionale Differenzierung und groe Unterschiede zwischen einzelnen Branchen auf. Besonders die Automobil- und die Zulieferindustrie wird durch den Technologiewandel stark verndert: In 54 Prozent der Betriebe in dieser Branche wird damit gerechnet, dass die Zahl der Arbeitspltze sinken wird.

Fehlende Strategie

Gut vorbereitet auf den digitalen Wandel sind die meisten Betriebe allerdings nicht: Knapp die Hlfte der Betriebe hat keine oder keine ausreichende Strategie zur Bewltigung der Transformation. In nur 18 Prozent der befragten Betriebe gibt es eine stringente Strategie. In weiteren 19 Prozent der Betriebe sind nach Beurteilung der Betriebsrte teilweise Strategien vorhanden.

In vielen Betrieben fehlt aber nicht nur eine Strategie. Von zentraler Bedeutung fr eine beschftigungssichernde Transformation sind die Ermittlung des Personalbedarfs sowie die Qualifizierung auf sich verndernde oder neue Ttigkeiten. Zwar sehen in 95 Prozent der Betriebsrte einen signifikanten Anstieg des Qualifizierungsbedarfs. Aber: Die Hlfte der untersuchten Betriebe hat keine systematische Personalplanung und -bedarfsermittlung. Gleiches gilt fr die Qualifizierungsbedarfsermittlung, die nur in 45 Prozent der Betriebe systematisch erfolgt.

Ein weiterer Punkt: In vielen Betrieben erfolgt keine systematische und frhtzeitige Einbindung der Betriebsrte in die Gestaltung der Transformation. In 52 Prozent der Betriebe findet keine frhzeitige Information der Betriebsrte statt. Noch geringer ist die Einbindung zur Mitgestaltung in Projekten. 62 Prozent von ihnen sind nicht eingebunden.

Schlielich ist die Information der Belegschaft ber die einsetzende Transformation in ihrem Betrieb hufig mangelhaft: 72 Prozent der Beschftigten sind nicht ausreichend ber die zuknftigen nderungen in ihrem Betrieb informiert. Nur 6 Prozent sind gut informiert. Das ist deshalb ein dramatisches Ergebnis, weil die Information der Belegschaft eine Grundbedingung fr Beteiligung und Mitgestaltung ist.

Im Ganzen weisen die Ergebnisse auf einen hohen Differenzierungsgrad hin. Sichtbar wird, dass Risiken fr die Beschftigten zunehmen. Und, dass die Unternehmen bislang zu wenig tun.

Jan Chaberny

(erschienen in: metallzeitung Juli/August 2019)



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